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Nachfolgende Bilder/Texte stehen zur Bearbeitung an

Einweihung Schild "Heinz-Baum-Platz" auf dem Schützenplatz in Gedanken für Heinz Baum, der den Schützenverein in herausragender Weise unterstützte, vieles initierte und  bezahlte. Seine Witwe setzt diese Tradition fort (mit Willi Muyrers, Vorsitz. Schützenverein)

 

Bilder von von Erntedankfesten, die insbesondere in Poll zwischen 1933 gross gefeiert wurden (siehe auch "braune Vergangenheit" - folgt)

 

 

 

 

 

Inhalt

1. Fragen

2. Bilder

3. Texte

 

1. Fragen

Noch 1950 wurden zum Maifest vom damaligen Reihmeister Toni Geller (später „Blaue Partei“) zwei Zentner Maifisch zum Verzehr im Festzelt besorgt.   

Wer weiß oder ahnt, wo diese Menge her sein könnte (Niederlande?) bitte melden !!!!

 Lt. "Vorstudie" (Dr. P. Beeck, 2003), erfolgte noch 1949 ein letzter nennenswerter Maifischfang von 61,5 KG bei Xanten !!!

 

 

125.jpg

wer weiß wo das Gasthaus Werner war bzw. das Gebäude heute noch ist ?.

Poller Fischerhuette Cafe Restaurant Besitzer Paul Fehr.JPG

 Wer weiß, wo das genau war ? Poller Fischerhuette Cafe Restaurant Besitzer Paul Fehr.

Nebenan soll Schwimmbad (?) gewesen sein... Wer weiß näheres ?

 

2. Bilder

 

PollerHaus1899Webges.JPG

Poller Haus 1899

Fischerhaus%20AnlegerbeschrWebges.JPG

Außengastronomie altes Poller Fischerhaus mit Anlegesteg Fähren, u.a Weber-Schiff nach Köln und Marienburg

 HauptstrPastoratWebges.JPG

Poller Hauptstrasse vom Rhein gesehen zwischen Kirchplatz und Am Kielshof, rechts Pastorat


 

BNGERA~1.JPG

Restauration "Zum Jägerhaus" von Peter Bünger (Tanzsaal wurde bei Tornado zerstört) Nebenan baute der letzte Pächter B. Batholomé-Bietmé später den Jägerhof

1024.jpg

Poller Hauptstr.

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Poller Hauptstr

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"Neue Kirche" St. Dreifaltigkeit

 

 

 

 

Gaststätte Jägerhof (Vorkriegsansicht) noch mit historischen Glasfenstern, die Motive von Poller Feiern, Fischern und das Poller Wappen zeigten

(Reste der Glasfenster heute im Besitz von Hans Burgwinkel)

 

Der Riese von Poll / The Poll Giant/ Forssmann Giant

Rechte: Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln

Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln, Herr Raudsepp

 

3. Texte

Noch einarbeiten....

 "Panne-Scheng" (Johann Burgwinkel), der bekannteste Poller "Angel-Fischer" in den 50er und 60er Jahren an seinem Stammplatz. Diese Buhne erhielt dann prompt von der Poller Bevölkerung den Namen "Panne-Scheng-Kripp" . Er verfügte allerdings auch über mehrere Netze, die er selbst herstellen und flicken konnte - obwohl er keiner Gezau angehörte (er war Dachdecker und Klempner). Da die "alten Poller Fischer" - "Künne-Ühm" Fehr, und "Schlömer" nicht mehr aktiv waren, war er viele Poller der letzte Poller Fischer zumal er in jeden freien Minute am Rhein fischte...

Gliederung (vorläufig)

- Fischfang in Poll 

- Der Fischfang zu Poll (Simons 1913)

- Fischverzehr

- Zeitungsbericht von 1938 über das Ende des Poller Fischfangs

- Zeitungsbericht von 15. Februar 1952 Poller Fischermärchen ist zu Ende

- Zeitungsbericht Kölner StadtAnzeiger 3. Juni 1982 Frauen und Mädchen mußten „prinzengehen“

- Demonstrations-Maifischfangfang 1998

- Pressemeldung: 2000 wurde erstmals wieder Maifisch in Poll gegessen

- Pressemeldung 2007: Wieder Maifisch in Poll

- Bericht: Die Wiederansiedlung des Maifischs im Rheinsystem http://www.lanuv.nrw.de/alosa-alosa/de/index.html

- lokale Partner des LIFE Projekts in Poll

 

 

Fischfang in Poll (Hans Burgwinkel, 2008, Auszug aus Script "Von Deutz nach Poll" (Versteckte Schätze) nach 

"Historische Orts- und Wegbeschreibung" / Spaziergang von Deutz zum „Jägerhof, dem Heimatmuseum Polls“ nach Dr. Johannes Krudewig 1930

Poll lebte in erster Linie von der Landwirtschaft; die günstige Lage am Rhein ermöglichte zusätzlich zum z. T. ergiebigen Fischfang, der sowohl von der „Obrigkeit“ als auch in Poll genau geregelt war. Die Fischereirechte hatte die Abtei Deutz inne, die regelmäßig Pachtverträge, z.B. 1715 auf zwölf Jahre (Simons, S 427), mit den Fischern – 1715 mit den meistbietenden Henrichen Busch, Thomaßen Becker, Anthonen Wermelskirchen, Gerharden Hemmersbach, Peteren Moers und Johannen Fischer schloss. 

 wird noch überarbeitet : Jedoch scheint es nach anderen Quellen 8- 10 Familien gegeben zu haben, die am Fischfang beteiligt waren. Jede Familie stellte eine Fanggemeinschaft aus 8 Personen, das "Gezau" - von zegen, eine bestimmte Netzart bzw. Fangmethode. Um 1900 scheint es nur noch zwei Gezaue gegeben zu haben, die der Familien Berg und Zeie, nämlich das Berggezau und das Zeiegezau. In der Fangsaison sollen laut Broek sogar bis zu drei Gezaue gleichzeitig gefischt haben.

Da in Poll die Einheimischen z.T. über die Jahrundert miteinander verwandt waren, ist anzunehmen, dass die Trennung in "Familiengesellschaften" nicht so strenggenommen wurde, vor allem beim Einsetzen der Industrialisierung, die viele und besser bezahlte Arbeitsplätze mit sich brachte. So arbeiten dann viele Poll bei der sich im Umfeld neu ansiedelnden Industrie, z.B. Schütte, Mühlen- und Holzwerke im Deutzer Hafen, Klöckner-Humboldt-Deutz, Mannesmann/Citoen in Poll

wird noch überarbeitet: Fischfanggruppe mit 8 Personen, die sich täglich mit anderer beim Fang abwechselte. Vier Personen, die „Wasserkompanie“, fuhren in den Booten und legten die Netze aus, während die "Landkompanie" von Land aus mit Seilen agierte. Die beiden letzten in Poll existierenden Gezaue waren die Berg-Gezau und die Zeie-Gezau, benannt ihren „Meistern“ (Chefs). „Zeie“ ist jedoch kein Poller Familienname, sondern ein Beiname für eine bestimmte Linie der Hackenbrochs (siehe Reucher). Hierdurch konnten oftmals Familien gleichen Namens unterschieden werden, so gab es z.B. für Hackenbroch 11 Linien, für Burgwinkel 6.

 

 die Berg-Gezau (Familie Berg)

Beteiligt am Fischfang waren 1886 16 Familien (Broek), wobei hierbei viele Familien untereinander verwandt oder verschwägert waren. So waren bei Hackenbrochs zumindest lt. P. Reucher „die Zeie“ und die „Köppches“ beteiligt.

Es sollen – was m.E. bislang nirgendwo näher untersucht wurde – mehrere Gezaue gegeben haben, zumindest im 20 Jahrhundert soll noch ein drittes Gezau (Wasser-Gezau?) existiert haben.

Vier Personen, die „Wasserkompanie“, fuhren in den Booten und legten die Netze aus, während die Landkompanie von Land aus mit Seilen agierte. Die beiden letzten in Poll existierenden Gezaue waren die Berg-Gezau und die Zeie-Gezau, benannt ihren „Meistern“ (Chefs). „Zeie“ ist jedoch kein Poller Familienname, sondern ein Beiname für eine bestimmte Linie der Hackenbrochs (siehe Reucher). Hierdurch konnten oftmals Familien gleichen Namens unterschieden werden, so gab es z.B. für Hackenbroch 11 Linien, für Burgwinkel 6.

Jeder Fischer hatte lt. E. Eiden auch nebenbei etwas Landwirtschaft, wo er hauptsächlich im Sommer tätig war.

Je nach Jahreszeit standen besondere Fische beim Fang im Vordergrund

Februar/April

Wintersalm

März / April

hauptsächl. Makrelen; Rotaugen, Barben, Bleie, Barsche, Hechte

Mai

Maifische (Alsen)

Juni

Finten

Sommer

Karpfen

Herbst

Seelachs, Rotaugen, Barben, Bleie, Barsche, Hechte

Mitte September bis Ende Oktober

Kupfer- oder silberfarbiger Herbstlachs

 Ab und zu wurde auch ein Stör gefangen (435 Pfund 1876) und dann eine Woche lang ausgestellt (Simons)

Den „besten Fang seit Menschengedenken machten die Poller am 23. April 1878 mit 183 Maifischen in einem [Netz]Zug“.(Simons)

 In den Kriegsjahren 1914 – 1918 wurde lt. Eiden der Fischfang von den Frauen weitergeführt, da die Männer im Krieg waren.

 Hauptsächlich infolge der Rheinverschmutzung und Abdichtung des Rheindeltas kam der kommerzielle Fischfang Mitte des 20. Jahrhunderts zum erliegen. Die letzten Poller Fischer waren Künne Ühm, Johann Fehr /Köppche, Gottfried Hackenbroch, Herr Schlömer  ???

 Ein Teil des Fang wurde direkt nach Anlandung am alten Fischerhaus (in Höhe der heutigen Autobahnbrücke) verkauft, z. T. geräuchert, bzw. besonders an Sonn- und Feiertagen im beliebten Fischerhaus verzehrt.

 

Die Frauen der Bauern und Fischer brachten morgens den Fang nach Köln – selbst aus Ehrenfeld sind die Rufe der Poller Fischerfrauen noch überliefert: „Fresche Maifeesch, Fresche Maifeesch“.

 

Der Fisch wurde in großen Körben, die auf dem Kopf getragen - gestützt durch einen runden Stoffwickel, de "Häuf" - wurden, transportiert. Die Frauen fuhren morgens mit dem Nachen nach Köln und abends zurück. Ebenfalls wurden Hand- oder Tierkarren (Hund, Esel, Maulesel, Pferd) für den Transport über die Deutzer Schiffsbrücke benutzt.

 

Poller Fischerfrauen tragen den Korb voller Maifische mittels dem "Häuf" auf dem Kopf

 

Nach getaner Arbeit genehmigten sich die Fischerfrauen ein Schnäpsen: v.l Gertrud Busbach, Kunigunde ? Fehr, Tante ? Lisa Burgwinkel, T. Cilla Schlömer, T Billa, Anna Busbach ?

 Literatur / Quellen

„Fischerei am Rhein“, Jahrbuch 13 Rechtsrheinisches Köln 1987, 175ff):

 „Die Poller“, Erinnerung an das alte Poll; Raiffeisenbankbank Poll-

Elisabeth Eiden, Autorin des, von der Bedeutung her verkannten Heftchens „Das Fischerdorf Poll am Rhein“,Hervorragende Beschreibung der Flora und Fauna am Rhein um 1950,letzte dokumentierte Gespräche mit den beiden letzten Poller Fischern und einem Milchmädchen…

Dr. Thomas Baumann, Reutlingen

 

 

Fischverzehr

Die wahrscheinlich älteste Poller Gaststätte hieß "Fischerhaus" und hatte bereits einen großen Biergarten und eine Kegelbahn. Sie existiert noch heute in der Müllergasse unter dem Namen "Schlömer".

 

 

 

 Beides Gaststätte Kasimir Ditzer, Müllergasse, heute "Schlömer"

Die Poller Fischer hatten in Höhe der heutigen Autobahnbrücke ihre "Feeschbud", wo sie sowohl Material lagerten, als auch Fisch frisch vom Fang, bzw. gegrillt oder geräuchert verkauften.

Nebenan entstand um 1903 das "Poller Fischerhaus" zunächst mit einem Zelt mit großem Biergarten, dann in Höhe des heutigen Campigplatzes als Holzbauwerk, das nach der Überschwemmung 1920 Betonfundamente erhielt. Das Poller Fischerhaus war für seinen Fisch überregional berühmt und erhielt sogar einen eigenen Schiffsanleger mit Verbindungen nach Marienburg bzw. zu Kölner Innenstadt. Es hatte zu dieserZeit ca. 1000 Außenplätze. 

 

Musste 1938 unter fadenscheinigen Gründen, so Gunther Schumann, der heutige Eigentümer des Fischerhauses, dem Autobahnbau weichen. Vorgeschoben wurde, dass bei Hochwasser Trümmer die Stadt Köln gefährden könnten. Andererseits war die Gaststätte insbesondere bei reichen Juden sehr beliebt, da Fisch ein koscheres Essen war. Somit war sie den Nazis ein Dorn im Auge und ein Wiederaufbau – zunächst als Kantine - wurde erschwert.

-        wird noch recherchiert/gesucht; Mithilfe erbeten…

 Früher „eigene“ Schifffahrtsverbindung – Gebr. Linden – nach Köln, Regelmäßige Besuche von Max Wallraff, OBB Köln und Baronin Oppenheim, sowie einem Fürsten aus Malaysia

Im Zuge des Neubaus der Autobahnbrücke wurde es abgerissen - und nach dem Krieg in der Nähe wieder aufgebaut.

Gleichfalls lag dort zumindest zeitweise die Gaststätte "Poller Fischerhütte Paul Fehr" 

 

in der Gaststätte Jägerhof (früher auch "Poller Heimatmuseum" genannt) befindet sich u.a. ein Typtichon mit Szenenn vom Poller Fischfang.

In den Fenstern waren Glasbilder mit Szenen aus der Poller Geschichte, u.a. auch dem Fischfang (Fragmente heute z.T. im Besitz von Hans Burgwinkel)

 

 

 

 

 

Der Fischfang zu Poll

übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll,

Cöln-Deutz 1913, Seite 328 - 331

 

„Fresche Meifeesch“, Poller Meifesch!“ riefen die Frauen mit dem geblümten Rock, der blauen Schürze und dem weitern Kopftüchlein, wenn sie im Lenzemonat hinter dem Fischwagen her durch die Straßen der Großstadt zogen und ihre Ware an den Mann zu bringen suchten oder, wie der Volksmund sagte, „prinzen gingen“. Der Fischwagen, gewöhnlich ein gemietetes Rollfuhrwerk, war mit grüne angestrichenen Bütten vom Maifische besetzt und oben stand ein robustes „Prinzchen“, so nannte man die Poller Fischerfrauen, und schwang drohend den dicken Weidenknüppel, wenn eine unberufene Hand sich nach dem fremden Gute ausstreckte. Von den Hauptstraßen trugen die „Prinzchen“ die Bütten auf dem Kopfe in die Seitengassen und in die Häuser, wo sie stets gute Abnehmer fanden. Und wenn der letzte „Schwanz“ verkauft war, zogen die Frauen oft zu dreißig bis vierzig zusammen nach der alten Landestelle der Poller Milchnachen an der Rheingasse oder am Bayen, setzten ihre Bütten auf den Kahn und zogen ihn an einem langen Seile stromaufwärts bis Marienburg, wo sie sich nach Poll übersetzen ließen.

 Der Maifisch von dem oben die Rede war, ist ein „Kind des Meeres“, das im Frühjahr (20. April bis 20 Mai) den Rhein hinaufstieg, um seine Eier abzulegen. Sein Gewicht schwankt zwischen zwei bis sechs Pfund, ein charakteristisches Erkennungszeichen sind die beiden schwarzen Punktreihen auf dem Rücken und der stumpfe Kopf. Der Unkundige aber, der nach Poll kommt, um Fische zu essen oder zu kaufen, sieht jeden Fisch für einen Maifisch an; denn unzertrennlich ist sein Namen mit dem des Ortes verknüpft. Von Februar bis April fängt man den silberweißen Wintersalm, dessen Gewicht selten unter zwanzig Pfund beträgt, von April bis August den kleinen Sommersalm oder „Äugsling“ und den „Jakobssalm“ dazwischen noch vom 15. Mai bis 20. Juni die sog. Finken oder Finten, ein Bachfischsorte minderer Qualität. Mit dem Fang des „kupfernen“ oder „silbernen“ Herbstlachses (15. September bis Ende Oktober) findet die Fischerei ihren Abschluß. Den besten fang seit Menschengedenken machten die Fischer am 23. April 1878, nämlich 183 große Maifische in einem Zuge. Überhaupt war das Gewerbe damals noch so ergiebig, dass man die Fische karrenweise über Land fuhr und zu 20 bis 30 Pfennig das Pfund absetzte. Nur selten geht ein Stör in die Netze, 1876 fing man ein Tierchen von 435 Pfund.

 

anläßlich des Rekordfanges wurde eine Gednkmünze (zumindest in Kupfer und Silber) von ????herausgegeben

Die Poller Fischer bilden heutzutage zwei Gesellschaften zu je acht Mann, die ,,Berg-" und die ,,Zeiegezau". Wenn im Frühjahr der Wintersalm den Rhein hinaufzusteigen beginnt, treten dieselben im alten Stammlokale bei Kasimir Ditzer (früher Matthias Hackenbroch) zusammen und erklären das Geschäft für eröffnet. Das Los entscheidet, welche Gezau den Fang beginnt, und von dieser Stunde an wechseln sich die beiden Kompagnien alltäglich ab.

Der Maifischfang geschieht seit undenklichen Zeiten mit einem 200 m langen und über 2 m breiten Schleppnetze, dessen Maschen so weit sind, daß die kleinen Fische hindurchschwimmen können. An einer Seite ist das Netz mit Bleistücken beschwert, wahrend es an der anderen von großen Korkstücken über Wasser gehalten wird.

Soll der Zug beginnen, so wird das Netz auf einen mit hölzernen Bogen überspannten Nachen gelegt Steuermann, Nachenjunge, ,,Bankemann" und ,,Voraufsmann" nehmen darin Platz, und nun geht’s rheinaufwärts bis Rodenkirchen. Der Steuermann hat die Oberaufsicht über den Fang, der Nachenjunge lenkt den Kahn, und der ,,Bankemann", auf der schwankenden Kahnbank sitzend, bewegt kräftig die Ruder, wobei ihn der ,,Voraufsmann" unterstutzt. Endlich ist die ,,Wasserpartie" am Ziel gen Rodenkirchen gelandet, wo sie die ,,Landpartie" begrüßt, den ,,Leitseilsmeister" und seinen Knecht. den „Durchleitsmann" und den „Loderjungen". “Kapp ab zum Gebet!" ruft ernst der Steuermann, und alle lüften den ledernen Hut mit der Ohrenklappe, den unentbehrlichen „Südwester" bei Sturm und Regenschauer. Jeder verrichtet nach altem Fischerbrauch sein Vater unser; dann ruft der Steuermann: In Gottes Namen!" und mit kräftigen Schlagen stößt der Kahn vom Ufer der Mitte des Stromes zu. ,,Leitseilsmeister", Knecht und ,,Durchleitsmann" halten das Ende des Netzes an einem langen Seile zurück, damit es nicht von der Strömung abgetrieben werde, eine Arbeit, die fast übermenschliche Kraftanstrengung erfordert.

 Der Steuermann bestimmt das einzukreisende Stromgebiet und gibt das Signal für etwa vorüberfahrende Schiffe, am Tage mit der Fahne, bei Nacht mit der Laterne. Ist das Netz bis zum Ende abgewickelt, so wirft der „Bankemann" das ,,Kendel" in die Flut, eine 4 1/2 m lange Stange, die unten mit einem Eisenschuh versehen ist.

Bei den schwarzen Fischerhäuschen landet die Gezau, das Seil mit dem Netze ans Ufer ziehend, wo es der Loderjunge an der „Reeling“ ordnungsmäßig zusammenlegt. Je kleiner der vom Netze begrenzte Halbkreis wird, um so mehr wachst die Ungeduld der Fischer, die auf einen guten Fang hoffen wie der zahlreichen Zuschauer, die aus der Stadt herbeigeeilt sind, um einen frischen Fisch an Ort und Stelle zu erstehen. Endlich ist die Absperrung bis auf einen kleinen Raum reduziert. Da wimmelt es oft von Fischen, großen und kleinen; zuweilen zeigt auch ein gewaltiger Stör durch kräftigen Wellenschlag seine Anwesenheit an und stößt zornig gegen das Netz. Gelingt es ihm dann, durchzudringen, so hat er doch die goldene Freiheit nicht erlangt; denn die Fischer haben vorsichtigerweise ein zweites Netz mit engen Maschen, das sog. ,,Umnetz", aufgestellt, das zugleich das Überspringen der Lachse verhindert. Der Stör aber wird mit dem Ledergurt aufgehoben, gefesselt und eine Woche lang dem schaulustigen Publikum gezeigt.

 

Gemälde im Jägerhof

Eine volle Stunde hat der ,,Zug" gedauert. Der Köderjunge sammelt die zappelnde Ware in einen Korb, umdrängt von dem ungeduldigen Menschenknäuel. Bald sind alle Wünsche erfüllt, und stolz trägt der Käufer die Beute in einem kleinen Netze oder an einer durch die Kiemen gezogenen Weidenrute nach Hause. Die nicht veräußerten Fische wandern in das ,,Fischkar" und werden mit diesem ins Wasser gebracht. Eine kleine Stärkung nehmen die Fischer in ihrer Hütte zu sich, dann beginnt der Fang von neuem, bis sich der Abendschatten über die Fluten des Rheines senkt. In der Hochsaison aber gönnt man sich oft die Nachtruhe nicht und das bei sehr zweifelhaftem Verdienst; denn schon seit Jahren ist der Maifischfang, der früher zahlreiche Familien des Ortes ernährte, immer mehr in Abgang gekommen, da die Holländer die Rheinmündungen mit großen Netzen absperren und die rheinaufwärts gelegenen gewerblichen Etablissements ihre Abwässer dem Strome zufuhren. Nicht lange mehr, und auch dieses anmutige Idyll - die Poller Fischerei - lebt nur noch in der Geschichte.

 

Gemälde im Jägerhof

 

  „Von der Tränke zu Poll bis an die Deutzer Pfarrkirche besaß das Erzstift Köln die Fischgerechtsame, d.h. die Fischrechte. Hier fischten hauptsächlich die Poller Fischer (bekannte Namen: Fehr, Schlömer). Der Fang von Maifischen, einer Heringsart, war jahrelang so reichlich, daß die Frauen der Fischer nach Köln und in die umliegenden Dörfer zogen und die Fische verkauften. Sie transportierten sie in Roll- oder Handwagen, die mit Bütten voller Fisch beladen waren, und ihren bekannten Ruf „Fresche Maifesch, Poller Maifesch“ hörte man von weitem. Der oft zitierte Poller Maifisch war die Alse ... sie zog zur Eianlage in der Zeit vom 20. April bis 20. Mai rheinaufwärts in stille Buchten. Ihr Gewicht betrug 2-6 Pfund. Den besten Fang seit Menschengedenken machten die Poller am 23.April 1878 mit 183 Maifischen in einem Zug“ (Anm.: ein Zug dauerte etwa eine Stunde) (Zitat Bröhl, Fischerei am Rhein, Jahrbuch 13 Rechtsrheinisches Köln 1987, 175ff)

  

„Zum Fischfang kamen dann in den ersten Maitagen die Leute aus der Stadt und den umliegenden Ortschaften, um die Fische gleich frisch vom Fang zu erstehen. Und wenn damals hierzulande viele Leute zusammenkamen, noch dazu nach langer, dunkler Winterzeit, dann waren sie fröhlich und feierten. Sie feierten alles, was ihnen Freude bereitete: das Wiedersehen, den guten Fischfang, die länger werdenden Tage und nicht zuletzt die alljährlich heranwachsenden jungen Mädchen“(Ruth Großgarten in KSt.A.5.5.1964)

Das Maifest war geboren !!!

v

 

 

 

Sonntag 19. Juni 1938 Kölnische Zeitung

Die letzten fünf

Ein Vormittag bei den Poller Fischern

Das Ende der Zugfischerei

Aufnahmen: Radermacher

 

Gespräch im Netzgarten

Rheinwärts des Poller Fischerhauses liegt auf dem vom Wellenschlag des Stroms benagten grünen Uferhang der Netzgarten der letzten Poller Fischer. Ein kräftiger Wind streicht vom Fluß her über die schräge Böschung und um die mannshohe Stangen des Garten, zwischen denen von Gabel zu Gabel und von Netzkimm zu Netzkimm ein großes Zuggarn zum Trocknen ausgespannt ist. Der Wind treibt seine Späße mit dem Netz. Die dicken Korkstollen des Oberkimms schaukeln sich mit Vergnügen in seinen Stößen, die kleinen Bleilenker ? des Unterkimms folgen nur schwerfällig und langsamer dieser Aufforderung zum Tanz. So vollführt das Maschengehänge seltsam belustigende , gleichzeitig bereitwillige und auch widerwillige, gleichzeitig anschwellende und verebbende Schwünge. Hinter den dem flatternden Gespann erhebt sich, groß und mächtig, das Baugerüst der werdenden Reichsautobahnbrücke. Es ist für den Netzgarten mehr als nur ein zufälliger und zeitweiliger Hintergrund, es ist für das Leben und Treiben, das sich in ihm und um ihm abspielt, und die Menschen, die es als Beruf erwählten, die Kulisse des letzten Aktes. Das überlebte Alte muß den neuen Lebensnotwendigkeiten und den größeren Zwecken Platz machen. So will es jede gesunde Entwicklung. Die Tage der Poller Fischzüge sind gezählt.

Zwischen den Stangen und Maschen des Netzgartens steht der letzte Fischereipächter von Poll, ein alter Mann mit wetterfestem Gesicht und hängenden grauen Schnurrbart. Seine Wasserstiefel verraten, dass er die die Arbeit seines Lebens nicht nur an und auf dem Strom, sondern in ihm gefunden und getan hat. Er klaubt die einzelnen Netztücher des großen Zuggarns des Zegens, auseinander, um sie in Katechu ? zu kochen und dadurch vor dem Gebrauch zum nächsten Fang zu imprägnieren. Hin und wieder wirft er einen Blick stromaufwärtsnach seinen vier Getreuen, mit denen er die letzte Garde der Poller Fischerzunft bildet und die mit dem anderen Zegen ? weiter draußen am Ufer zum Fang ausgezogen ? sind. Auch … das Brückengerüst … bei ihren Zug… nicht erreicht.

Weiter … kann man … vom Netzgarten aus den Strand….nicht ? übersehen

 Der alte Fischer ist schweigsam und zu einer längeren Unterredung nicht sehr aufgelegt, was niemand ihm bedenken kann, da es auch für keinen anderen ein Vergnügen wäre über das Ende seiner Lebensarbeit und den Abschied von seinem Beruf Konversation zu machen. Fünfzig Jahre lang hat er die Rheinfischerei betrieben, eine schöne Zeit, in der das Herz die kräftigsten Wurzeln um dieses Leben schlagen konnte. Dann aber rankt sich an einigen Nebenfragen doch ein Gespräch empor und der alte Fischer erzählt:

 „Die Fischereistrecke, die ich gepachtet habe, war ursprünglich etwa 4,5 Kilometer lang. Von dieser Strecke besitzt rund die Hälfte den flachen und glatten Kiesgrund, der für das Abfischen mit dem großen Zegen erforderlich ist. Elfhundert Meter habe ich im Lauf der letzten Jahre notwendigerweise abtreten müssen. Da auch für eine Zau mit dem 200 m langen Zugnetz 800 bis 1000 Meter ununterbrochene Strecke nötig sind, ist mir also gerade genug geblieben, die Zugfischerei auf die bisherige Weise auszuüben. In Kurzem werden aber auch noch weitere 400 der Zau in Wegfall kommen und an dem anderen Ende wird nun die neue Brücke gebaut. Ihre Pfeilerinsel schiebt sich so weit in den Strom hinaus, das das Netz nur noch bei Niedrigwasser, wie es in jedem Jahr allenfalls zwei Monate lang zu verzeichnen ist, an ihr vorbeizuziehen ist. Bei der werdenden Fischarmut des Rheins und der immer geringer werdenden Beute ist unter diesen Umständen auch bei bescheidener Lebensführung die Existenz von fünf Leuten und der Zugfischerei nicht mehr auszubauen.“

 „Wird nicht auch durch die beträchtlichen Uferveränderungen die der Brückenbau im Gefolge haben wird, der Ertrag der Fänge sowieso stark gemindert werden ?“

 „Nein, das hat weniger zu besagen, entscheidend bleiben die schon genannten Gründe. Man hat mich oft gefragt, ob ich nicht in der Nähe eine andre Strecke abfischen könnte, und mir geraten, weiter stromaufwärts oder stromabwärts zu gehen und dort nach Ablauf meines Vertrages für die jetzige Strecke im nächsten Jahr neu zu pachten. Aber diejenigen Strecken, die nach oberflächlicher Prüfung den geeigneten Untergrund besitzen und also dafür in Frage kämen, liegen ja so, dass sie von meinen nun einmal in Poll befindlichen Einrichtungen aus nur mit großen Zeitverlusten zu befischen wären. Mindestens zwei Fischzüge würden am Tag ausfallen, was die Sache von vornhinein unrentabel machen würde. Das Ende der Poller Fischerei ist also nicht abzuwenden. Wir sehen auch völlig ein, dass die Zeit unseretwegen nicht zurückgedreht werden kann und die größeren allgemeinen Angelegenheiten unseren kleinen persönlichen Dingen vorgehen müssen. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig, als uns nach einem neuen Beruf umzusehen. Ich habe für meine Arbeitskameraden schon entsprechende Schritte eingeleitet, die sicherlich nicht ohne Erfolg bleiben werden.“

 Mit langen Schritten verläßt der Fischer seinen Netzgarten, da an der Brückeninsel gerade die beiden Zugleute des großen Zegens auftauchen. Er tägt die abgetrennten Netztücher in die Fischerhütte, deren Wände mit Fischereiuntensilien vollständig zugehangen sind, und begibt sich zu den beiden Ziehern ans Wasser. Die Zugleine des Netzes über die Schulter geworfen, verrichten sie ihren Schleppdienst in jener Haltung, der die Wolgaschlepper in Ton und Bild berühmt gemacht hat, obwohl sie diese Technik des Ziehens weder erfunden noch allein ausgeübt haben. Dort, wo die Zugleine im Wasser verschwindet und einige Meter weiter an der Netzstange befestigt ist, zeigt eine lange Reihe schwimmender und auf den Wellen tanzender Korkstollen ? die Lage des langsam näherkommenden Netzes an. Am Schluß bewegt sich die Korkenreihe, damit gewissermaßen einen großen Netzsack bildend, in weitem Bogen auf das Ufer zu, wofür der dritte Fischer sorgt, der das am Ende des Garns befestigte Lotseil dirigiert. Taktisch gesehen stellt also die Zugfischerei, wie sie von den Poller Fischern betrieben wird, ein Einkreisungsmanöver dar. Was an Fischen zwischen Netz und Ufer schwimmt, muß vom Rhein und Leben Abschied nehmen, wenn es nicht schleunigst flüchtet und vor der Umklammerung Reißaus nimmt, ehe der Ring vollständig geschlossen wird. Die Taktik??? Zu bewährt und der Ritt ??? zu groß, als daß die Flossenträger rechtzeitig die Gefahr erkennen. …wenn sie die? Sch… ahnten ?, dann ist es schon zu spät.

 Am Netzgarten angekommen, holen die Fischer das Zugseil ein. Wenn die Netzstange dass Land berührt, ist der Kreis geschlossen. Meter um Meter wird jetzt das Netz an Land gerafft. Einer der Fischer steigt ins Wasser, durch Hochhalten des Oberkimms in der Kurve das Einholen zu erleichtern und den Fischen ein Ausbrechen unmöglich zu machen. Schritt um Schritt hat sich inzwischen auch der Fischer am Leitseil genähert. Schon wird mit dem Netz hier und da ein zappelnder Fisch, der sich mit den Kiemen in den Maschen verfangen hat, an Land gezerrt. Er vertauscht sein vertrautes und freundliches Lebenselement mit dem harten, trockenen und feindlichen Kies. Nun hat sich der Ring so dicht zusammengezogen, daß zwischen Ufer und Netz nur noch wenige Quadratmeter Wasserfläche übriggeblieben sind. Die Fischer steigen jetzt allesamt ins Wasser. Aufgeschreckt jagen und springen die gefangenen Flossenträger in der seichten Pfütze, in die sich für sie der Rhein verwandelt hat. Mit einer instinktlichen Intelligenz, die auf häufige Begegnungen mit dem Zugnetz schließen läßt, versuchen einige von ihnen den wirklich letzten Ausweg zu gewinnen und sich unter dem Unterkimm des Netzes her durch die Lücken zwischen den Kieselsteinen zu zwängen. Die Fischer überwachen von oben her aufmerksam ihr Verhalten, treiben die Ausreißer zurück, klappen, Kimm auf Kimm, das Netz zu, raffen es zu einem Sack zusammen, der der Größe der Beute entspricht und leeren diesen dann in den bereitstehenden Korb aus.

 Der Fischzug ist beendet. Die Beute, etwa 20-25 Makrelen und einige Bratfische, kann man in Anbetracht der Größe des Netzes und der Länge der abgefischten Strecke nur als sehr mäßig bezeichnen. Während der alte Fischer die Makrelen in die Fischkästen im Strom bringt, tragen seine Gehilfen das Netz schon wieder auf den Kahn und schichten es auf seinen Bügeln auf, um gleich aufs neue hinauszufahren und es zum nächsten Zug auszubringen. Sechs Fischzüge dieser Art lassen sich im Lauf eines guten Tages erledigen. Sechsmal zwanzig Fische. Wahrlich kein überwältigender Erfolg bei so großen Aufwendungen. „Manchmal ist es etwas mehr, oft aber auch noch weniger. Daß uns vor lauter Fische die Netze reißen, brauchen wir nicht zu befürchten, erklärt der alte Fischer und kehrt in seinen Netzgarten zurück.

 Bald wird er hier zum letzten Male Netztuch von Netztuch trennen und endgültig von der Fischerei Abschied nehmen. Dann wird dieser für Poll seit Jahrhunderten typische Erwerbszweig ebenso endgültig der Vergangenheit angehören, der Vorort aber neue Impulse, diesmal nicht vom Strom, sondern von der Straße erhalten, die über den Rhein hinwegführt.

 

 

 Bild "Der letzte Fang" freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Fam. Kolter, Poll gemalt etwa In höhe des heitigen Campingplatzes unterhalb des alten Fischerhauses

 

Freitag, 15. Februar 1952

Poller Fischermärchen ist zu Ende

Abwässer der Industrie und Brückenbau zerstörten Fischerei

Opa Schlömer, der älteste Poller Fischer erinnert sich.

 Bildunterschrift: Opa Schlömer hantiert auch heute noch gerne mit Modell und Stricknadel, den Werkzeugen zum Netze knüpfen. Foto Spielmanns

 Selten, dass sich in dieser Jahreszeit ein Stadtbewohner bis an die rechtsrheinische Südgrenze Kölns verirrte, wo das einstmals so idyllische Fischerdörfchen Poll sich das Rheinufer schmiegt. Obwohl Poll seit 1888 eingemeindet ist und seit 1909 eine direkte Straßenbahnverbindung mit der Stadt besitzt, hat es seinen ursprünglichen Charakter nicht verloren. Die engen Straßen und die kleinen Häuser mit den verwaschenen Giebeln sind die ganz eigenwüchsigen Bestandteile eines Dorfes. Hier hat sich die Stadt schon ins Land geweitet.

 Die Poller Wiesen tragen ihr faseriges Winterkleid, mit spärlichen Schneeresten freundlich garniert.

Menschenleer wenden sie sich sanft abwärts gleitend dem Strome zu. Ein paar alte Fischer oder Bauern machen einen Nachmittagsspaziergang. Hinter dunstigen Wolkenschleiern endet die Sonne ihre kurze Bahn. Von den Pylonen der zerbrochenen Autobahnbrücke schwillt der scharfe Knall der Detonationen durch die Stille. Aufräumungsarbeiten bereiten den Aufbau der Brücke vor.

 

Das Poller Fischerhaus

Am rechtsrheinischen Pylon liegt, versteckt hinter den kahlen Bäumen eines Vorgartens das Poller Fischerhaus. Aber es ist nicht mehr das alte Gebäude, jenes weithin bekannten Ausflugsziel, das die Kölner vor Jahrzehnten gerne aufsuchten, um dort aus erster Hand die köstlichen Fische zu genießen, die von den Poller Fischern in großen Netzen aus dem Rhein geborgen wurden. Das alte, 1903 gegründete Fischerhaus wurde im Kriege zerstört. Ein bescheidenes Provisorium genügt den heutigen Ansprüchen. Im Winter ist es still hier „aber im Frühjahr, wenn die ersten Pärchen kommen, wird es wieder lebendig“, lächelt die Wirtin. Dann kann man wie einst draußen sitzen und die Karte weist eine nicht geringe Anzahl Fischgerichte auf.

Die große Zeit ist vorbei

Aber die große Zeit der Rheinfischerei der Rheinfischerei ist vorbei. Das Poller Fischermärchen ging zu Ende, als 1938 der Bau der neuen Autobahnbrücke begann. Den Fischreichtum des Rheins hatte die anwachsende Industrie schon vorher zerstört, als sie ihre Abwässer in den Strom leitete. Von den altern Poller Fischern wirft heute keiner mehr seine Netze aus. Aber die Erinnerung an vergangene Zeiten an das schöne Handwerk lebt in den alten Leuten fort.

 

Der älteste Poller Fischer

In der Poller Weingartengasse ist Opa Schlömer zuhause. Dem rüstigen Greis mit dem weißen Schnurrbart und den hellen Augen sieht man nicht an, dass er bald 81 Jahre alt wird. Er ist der älteste Poller Fischer, der schon seit frühester Jugendzeit das damals noch einträgliche Handwerk betrieb. Er kann sich nicht besinnen, dass seine Vorfahren jemals etwas anderes gewesen wären als Rheinfischer. Mit der ruhigen Bedachtsamkeit des Alters blickt er auf die vergangenen Tage zurück. Zu seiner Zeit gab es in Poll 16 ? 10 ? Fischerfamilien. Die Fischzeit war genau eingeteilt. 8 Angehörige der verschiedenen Familien gingen 24 Stunden an die Arbeit, in den nächsten 24 Stunden fischte die andere Gruppe. Die Beute wurde dann unter die acht aufgeteilt.

 Ganz früher brachten die Frauen die Fischen in großen Bottichen, die sie auf den Köpfen trugen nach Köln. Später wurden Eselskarren benutzt und kleine Handwägelchen.

 Reiche Fischzüge

Die Fischzüge mit den 200 m langen Netzen brachten damals noch reiche Beute. Einmal, so erinnert sich Opa Schlömer, zappelten über 150 Maifische im Netz, keiner unter drei Pfund. Selbst Störe waren im vorigen Jahrhundert keine Seltenheit. Die letzten fing Opa Schlömer im Jahre 1904. Es waren ganz kapitale Burschen. Rheinbackfische, Salme, Barben, Brassen, Münnen, Makrelen, Aale verfingen sich in den Poller Fischernetzen und landeten schließlich, sorgfältig zubereitet, auf den Tischen der Kölner Bürger.

Ludwig Schlömer hat noch gefischt, bis der Bau der Autobahnbrücke es unmöglich machte, die großen Netze auszulegen. Aber zu diesem Zeitpunkt war schon nicht mehr sehr viel aus dem Rhein zu holen. Opa Schlömer heute noch das pachtrecht, das 1961 abläuft. Er gibt Sportkarten an Sportfischer aus, die jetzt das Poller Ufer bevölkern.

Der alte Fischer beugt sich über ein Bild, das aus der Zeit vor der Jahrhundertwende stammt. Es zeigt acht seiner Kollegen vor dem mit dem schweren netz beladenen Kahn. Er hat sie alle noch gut gekannt. Von diesen weiß er, das sie tot sind, jener ist gefalle, der lebt noch… . Opa Schlömer versinkt in Erinnerungen. Der Abglanz vergangener Tage spiegelt sich auf dem guten alten Gesicht. Und als wir eine Aufnehme machen wollen, nimmt er freundlich Modell und Stricknadel zur Hand, dieses vertraute Werkzeug, und knüpft mit gewohnter Meisterschaft sein Netz.

  

 

Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 127/KR I      AUS KÖLNER STADTTEILEN         Donnerstag        3. Juni 1982

Nur noch wenige Kölner erinnern sich heute an die riesigen Fischschwärme, die früher im Rhein gefangen wurden

Frauen und Mädchen mußten „prinzengehen“

In den Stromkrümmungen wurden die begehrten Tiere überlistet

Von Charlotte Elfgen

 „Frischer Maifisch, Polier Maifisch!" rief das junge Mädchen, das in einer grüngestrichenen Bütt appetitlich anzusehende Seefische mit sich führte und immer wieder stehen bleiben mußte, da sich Käufer um sie drängten und nach dem Fisch verlangten. Die frischen Maifische, die sie feilbot, maßen bis zu einem halben Meter und wogen schätzungsweise bis zu dreieinhalb Kilo. Heute erinnern sich nur noch die älteren Kölner an die riesigen Fischschwärme, die früher im Wasser der Stromkrümmung des Rheins in -Worringen und Poll - eingetrieben und in beiden Dörfern auf unterschiedliche Weise gefangen wurden. In dem rechtsrheinischen Stadtteil bezeugt heute noch die „Maifischgasse" die damalige frühjahrszeitliche Begebenheit.

Vor rund einem Jahrhundert lebten in dem Fluß noch reichlich Fische, wie etwa auch im fahre 1876. Diesmal war der Maifisch pünktlich zu Beginn des Wonnemonats in der Höhe von Poll im Rhein aufgetaucht, und der Vater sowie die Brüder der jungen Verkäuferin waren mit ihrer Fanggemeinschaft schon früh erfolgreich gewesen. Während man in Worringen die Maifische mit Körben an Land brachte, erfolgte in Poll der traditionelle Fang mit dem Netz, berichtet Volkskundler Joseph Klersch in einem seiner Bücher.

Von den Poller Fischern mit ihrer besonderen Netzfangmethode eingeholt, hatten die Frauen und Mädchen den Verkauf zu besorgen, sie „gingen prinzen", wie der Volksmund sagte. Der Fang wurde schon an Ort und Stelle angeboten, aber auch bis in die Straßen und Gassen Kölns transportiert.

Schmackhaft und preiswert

Der Maifisch war ein mit dem Hering verwandter Seefisch, der den Rhein bis nach Speyer hinaufkam, um zu laichen. Der schmackhafte und preiswerte Fisch wurde um die Maienzeit bis in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts in den Familien sowie in Bier- und Weinhäusern gern verzehrt, ob gekocht, gebacken. gesülzt oder geräuchert. Doch bevor der Maifisch — etwa im Polier Fischerhaus, an dessen Stelle jetzt ein Campingplatz liegt -- als lukullischer Genuß auf den Tisch kam, mußte er erst von den sogenannten „Gezauen", den Fanggemeinschaften. die aus acht Mann bestanden, eingebracht werden.

Der 81jährige Arnold Hoynck, Hobbyangler und Mitglied im Fischschutz e. V., erinnert sich noch gut, wie er als Kind dem Fang zugesehen hat. , ,Man arbeitete in zwei Trupps mit einem rund 200 Meter langen und zwei Meter breiten Netz. Dieses Netz ruderte die »Wasserpartie« in einem Nachen auf den Strom hinaus und ließ es, Iangsam, nach und nach, zu Wasser, während es vom Land aus mit, einem langen Seil festgehalten wurde. Es war eine anstrengende Arbeit, die viel Kraft erforderte." Halbkreisförmig wurde das Netz zusammengezogen, und die Fische, die sich im abgesperrten Raum befanden, gefangen.

Um 1870 kam eine Fanggemeinschaft mit einer Ausbeute von 100 bis 200 Maifischen nach Hause, eine Menge, die sich zur Jahrhundertwende erheblich verringerte. In der Zeit des Ersten Weltkriegs gab es in Poll nur noch zwei Fanggemeinschaften, gegen Ende der 20er Jahre dieses Jahrhunderts waren die „Gezauen" ohne Arbeit, denn die Maifische blieben aus. Schuld daran war neben der zunehmenden Verschmutzung des Rheins auch Raubfischerei durch Holländer. Der Poller Maifischfang war stets ein beliebtes Ausflugsziel. Man konnte die fangfrischen Fische gleich am Ufer frisch gebraten essen und die Atmosphäre ländlichen Behagens in und um das damalige Polier Fischerhaus genießen.

Immerhin angelt man heute wieder Karpfen, Schleien und Brassen im Rhein und in den Hafenbecken, erläutert Arnold Hoynck. Er weiß sogar von einem merkwürdigen Fang an der Mündung der Sieg zu erzählen. Die Fischart war dem glücklichen Anlger unbekannt, Experten wurden befragt, und sie kamen nach langen Überlegungen zu der Überzeugung, daß es sich um den legendären Maifisch handeln könnte, der schon so lange nicht mehr gesichtet worden war. Vielleicht kommen sie eines Tages wieder, die Maifische.

 

Bildunterschrift mit den Frauen

Gertrud Busbach, Kunigunde ? Fehr, Tante ? Lisa Burgwinkel, T. Cilla Schlömer, T Billa, Anna Busbach ?

MIT DEM HANDKARREN zogen die Polier Fischerfrauen durch die Straßen und verkauften den Fang der Männer. Dabei ging es anscheinend feucht-gemütlich zu, denn während eine der Frauen den Verkauf tätigt, schütten die anderen sich zur Stärkung ein Gläschen ein.

 

Da das Poller Maifest historisch in enger Verbindung zum ertragreichen Fang von Maifischen im Frühjahr (April / Mai) steht, habt das Poller Maigeloog auch das „Maifischen“ ins Poller „Maispill“ einbezogen. Allerdings kann es aus vielerlei Gründen (noch) nicht regelmäßig durchgeführt werden.

1998 wurde es erstmalig in Zusammenhang mit der Fischereibruderschaft Bergheim (an der Sieg) durchgeführt:

 

Maifischfang   (Bericht vom 28.03.1998)

Das Maigeloog Köln- Poll versucht in Zusammenarbeit mit der Fischereibruderschaft Bergheim / Sieg nach Jahrzehnten Pause, den traditionellen Maifischfangs im Rhein zu demonstrieren. Mit Netzen und Nachen sollen zwei Teams, die „Zeiegesau“ und die „Berggezau“, Art und Weise des Fang nach historischen Vorbildern rekonstruieren. Die Sicherung der nicht ganz ungefährlichen Aktion übernimmt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft,

 Das Poller Maigeloog, ein Kölner Maiverein mit einer über 340-jährigen Tradition, entstand im Mittelalter aus den alljährlichen Festen anläßlich des Fang der in Köln und Umgebung begehrten Maifisches. Der 2-6 Pfund schwere Maifisch, (gall-lat),, Alosa Alosa oder auch Alse genannt, ist ein bis 60 cm langer Heringsfisch, der früher in der Zeit vom 20. April bis 20. Mai rheinaufwärts zum Laichen in stille Buchten zog.

Die Fangtechniken sind u.a. noch erhalten in der 987 gegründeten Fischereibruderschaft Bergheim an der Siegmündung. Dies ist bis heute eine geschlossene Zunft, in der das Fischereirecht nur von den Vätern auf die Söhne vererbt werden kann, wenn diese ihre „Gerechtigkeit tun“. Versuche diese Geschlossenheit zu durchbrechen, waren bisher erfolglos. Die Bruderschaft betreibt in Bergheim ein kleines Fischereimuseum, das jeden ersten Sonntag des Monats von 14.30 Uhr – 18.00 Uhr geöffnet ist.

Traditionell wird der Fang mit einem Gebet und einer Schnapsrunde eröffnet. Eine Jungfrau, auf dem ersten Fischerkahn sitzend, soll einen guten Fang garantieren.

 Sonntag, 26.04.1998, 14.00 Uhr in Poll am Rheinufer

 

Sonntag, 26.04.1998, 14.00 Uhr in Poll am Rheinufer

Rampe „Panzerstr.“ neben Gebäude Bezirkssportanlage „Poller Wiesen“ Alfred Schüttee-Allee 131, Bus Linie 159 Endstation „Schüttewerk“, Notplätze: Fa. Schütte,

Toiletten: Bezirkssportanlage Poller Wiesen

 


Vorläufiges Programm

                          Gemütlicher Ausklang am Getränkestand
Ende 18.00 Uhr

 ca. 16.15       Erklären einzelner Fischarten und ihres Vorkommens 

 ca. 15.45       Fangsortierung  

 15.00              Ausfahrt des Nachens, Netzauslegen, Heranziehen, Netzeinholen,  

 Information über Maifischfang in Poll gemäß Simons          H. Burgwinkel

 14.45                         Antreten „Zeiegezau“, „Berggezau“, Fischmeister Heinrich Mertens, Jungfrau

 14.25              Information über Fischen am Rhein gemäß Jahrbuch         H. Burgwinkel 

                         Kurzinformation über Maigeloog                                    H. Burgwinkel

 14.00 Uhr      Begrüßung                                                                         H. Burgwinkel 

 Kapp ap zum Gebet, Vater unser, In Gottes Namen

 Schnapsrunde  

                         Kurzinformation über Fischereibruderschaft                           Josef Boss 

 

 

 Pressemeldung

Maifischen

In Zusammenarbeit mit der seit über 1000 Jahren ununterbrochen bestehenden Fischereibruderschaft Bergheim/Sieg wurde das Maifischen in Poll nach alter Tradition wiederbelebt.
Nach überlieferten Ritualen und Techniken wurde nach mehreren Generationen Pause wieder versucht, mit einem 60m Netz der Fischereibruderschaft und einem historischen Fischernachen die traditionelle Fangtechnik zu demonstrieren und zu erläutern. Auf Vermittlung der Gebr. Pannebäcker stellte der KAMC im Rheinau-Sporthafen einen historischen Nachen leihweise zur Verfügung.
Schwierigkeiten bestanden zunächst in der Auswahl und Training geeigneter Ruderer und Fischer, die unter Anleitung eines der letzten Fischer am Rhein beim Maifischfang laut historischen Aufzeichnungen eine "fast übermenschliche Kraftanstrengung" vollbringen mußten. Josef Boss, Vorstandsmitglied der Fischereibruderschaft und Heinrich Mertens, früher Berufsrheinfischer und jetzt Rheinfischer im Nebenerwerb hatten diese Aufgabe übernommen.
Nach "Kapp ab zum Gebet" und einem "Vater Unser" begann mit "In Gottes Namen" der Fang. Von der Bruderschaft wurde die Tradition der "Fischer-Jungfrau" übernommen, die einen guten Fang garantieren soll. Hierfür fand sich nach einiger Suche die liebliche Nadine Libens, die, von Paul Mertens gerudert, die Fische anfütterte und den Maifisch locken sollte.
Der in Köln und im Kölner Umland sehr begehrte Poller Maifisch zog bis Anfang dieses Jahrhunderts in der Zeit vom 20. April bis 20. Mai rheinaufwärts zum Laichen in stille Buchten. Der 2-6 Pfund schwere Maifisch, (gall-lat),, Alosa Alosa" oder auch Alse genannt, ist ein bis 60 cm langer Heringsfisch im westl. Mittelmeer und in den atlantischen Küstengewässern Westeuropas. Im Rhein ist er durch Delta-Eindeichnungen und rigorosen Fang in den Niederlanden sehr rar geworden. Zum Fang in Poll bildeten die Poller Fischer zwei Gesellschaften, die "Berg-" und die "Zeiegezau", die mit einem 200m langen und 2m breiten Schleppnetz und Nachen im Rhein auf Fang gingen. Die alten Fang-Techniken sind u.a. noch erhalten in der 987 gegründeten Fischereibruderschaft Troisdorf-Bergheim an der Siegmündung. Dies ist bis heute eine geschlossene Zunft, in der das Fischereirecht nur von den Vätern auf die Söhne vererbt werden kann, wenn diese ihre "Gerechtigkeit tun". Versuche diese Geschlossenheit zu durchbrechen, waren bisher erfolglos. Die Bruderschaft betreibt u.a. auch ein interessantes Fischereimuseum im Siegdelta. Beides ist einen Ausflug, z.B. Tagestour mit Fahrrad, wert - geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat von 14.30 Uhr bis 18.00 Uhr, nähere Infor-mationen Josef Boss, Tel. 0228-451342.
Leider stand der wiederbelebte Fischfang in Poll unter keinem guten Stern. Trotz des fast waagerecht peitschenden Regens waren ca. 300 Zuschauer, insbesondere aus dem Kölner Umland, gekommen. Starke Windböen ließen die Ruderer nicht weit hinausfahren; das ungewohnte Gewicht des bleibeschwerten Netzes zog das Boot näher ans Land als beabsichtigt und zum Schluß brach noch eines der beiden historischen Stechpaddel. Beim Einholen des Fanges wurde zudem noch eine großer Basalt(Kribben)stein eingefangen und hierdurch konnten eventuell gefangene Fische noch in letzter Sekunde entkommen. Auf einen zweiten Versuch mußte wegen des Unwetters verzichtet werden. Er soll allerdings im nächsten Jahr nachgeholt werden. Somit hatte sich die historisch überlieferte, aber vorher belächelte erforderliche "fast übermenschliche Kraftanstrengung" beim Maifischfang bewahrheitet und dem Maigeloog seine Grenzen aufgezeigt.

 

 

2000 wurde erstmals wieder Maifisch in Poll gegessen:

Maifisch wieder da (Pressemeldung)

   Geschafft ! Maifisch erstmals seit fast 100 Jahren in Köln wieder zu sehen und zu probieren

 2007 wurde erstmals wieder der Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten, Maifisch zu probieren:

 Durch den neuentdeckten Maifisch im Rhein ist dem Maigeloog jetzt allerdings ein Problem entstanden: Während man sich in der Vergangenheit beim immer wieder angefragten Schaufischen mit der Fischereibruderschaft Bergheim/Sieg ziemlich sicher war, keinen Maifisch zu fangen, möchte das Maigeloog zukünftig den seltenen Maifisch bei seiner „Wanderpause“ vor Poll nicht stören...   

 Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang dem Maigeloog der Bezug  des Maifisches über eine in Meckenheim ansässige Spezial-Firma für Frischlebensmittel, die Firma „Opt Art“. Auf Frischimporte spezialisiert, war für sie der Fang und Frischimport aus Südfrankreich ein fast alltäglicher Vorgang. Die Fische wurden donnerstags bei Arcachon gefangen und pünktlich zum Maifest nach Poll ausgeliefert.    

 Der jetzige Reihmeister des Maigeloogs, Hans Burgwinkel, hatte im September 1998 ein Vorkommen der Fische in der Bretagne an einer Lachs- und Maifischzählstelle entdeckt. Nach einer sachkundigen Information konnte er auch das Brutgebiet besuchen. In Frankreich wandert der Maifisch ab einer Wassertemperatur von 15° die Flüsse hoch. Im Süden wird er sogar in großem Umfang gefangen.  

 Der Heringsfisch zog früher in der Zeit vom 20. April bis 20. Mai rheinaufwärts zum Laichen in stille Buchten. Im Rhein war er durch die Verschmutzungen, Delta-Eindeichungen und rigorosen Fang insbesondere in den Niederlanden seit Anfang der 50er Jahre verschwunden und scheint jetzt wieder in Einzelexemplaren einzuwandern. Auf einer neuen Fischtreppe und Fischzählstelle in Iffezheim am Oberrhein wurden jüngst zwei Exemplare nachgewiesen.   

 Hier wurde der 2-6 Pfund schwere und bis zu 60 cm lange Maifisch, die Alse, gleich zentnerweise gefangen. „Den besten Fang seit Menschengedenken machten die Poller  am 23.April 1878 mit 183 Maifischen in einem Zug“ (Bröhl, Fischerei am Rhein, Jahrbuch 13 Rechtsrheinisches Köln 1987). Auf alten Kölner Postkarten sind Poller Fischfrauen abgebildet, die mit dem Ruf „Fresche Maifeesch“ in der Stadt von ihren Eselskarren den Fisch verkauften. Noch 1950 wurden zum Maifest vom damaligen Reihmeister Toni Geller (später „Blaue Partei“) zwei Zentner Maifisch zum Verzehr im Festzelt besorgt.   

 Zum diesjährigen Maifest wurde in Poll erstmals seit Jahrzehnten wieder Maifisch gegessen. Auf dem Marktplatz wurden sie von Herings-Düres und Männi Liebe zubereitet. Wenige Tage später wurden sie – in althergebrachter Art - von Gisela Keil im Alt-Poller Bierhaus zerlegt und gebraten. Zunächst erstaunten die vielen Gräten, sie wurden dann allerdings von Kasi Körner sorgsam und fachmännisch entfernt. Die Gäste zeigten sich überrascht von dem wohlschmeckenden, festen Fleisch. In die Analen werden wahrscheinlich Eva Nonns Worte eingehen: „Der Schwanz schmeckt besser als die Mitte“
Köln-Poll war bis Anfang dieses Jahrhunderts das Zentrums des Maifischfangs im Rheinland.
  

 

 

 

Der Maifisch bzw. die Alse, eine im Rhein zeitweise ausgestorbene bzw. nur noch in einzelnen Exemplaren auftretende Fischart, ist am 1 Mai in Poll, einem rechtsrheinischen Kölner Vorort, erstmals seit fast 100 Jahren in Köln zumindest wieder optisch und vor allem kulinarisch zu genießen. 

Dem Poller Maigeloog, einem Maiverein mit über 350-jähriger Tradition, gelang es anläßlich seines Poller Maifestes, die Ausstellung zumindest für einige Stunden, von 12:15 bis 14:00 Uhr unter der Leitung von Dr. Beeck nach Poll zu holen. ***

Das mit Mitteln der Europäischen Union geförderte LIFE-Maifisch-Projekt ist Bestandteil des Wanderfischprogramms, einer Kooperation des Landes NRW mit dem Fischereiverband

NRW. Fachlich und koordinativ wird es von der früheren Landesfischereianstalt in Albaum und der Stiftung Wasserlauf des Rheinischen Fischereiverbandes von 1880 e.V. betreut. 

Köln-Poll war bis ins letzte Jahrhundert eine der Hochburgen für Maifischfang am Rhein und Poller Fischerfrauen belieferten jährlich im Frühjahr ganz Köln. 

Zur Zeit des Maifischfangs – meist vom 20.April bis zum 20. Mai – waren noch bis Anfang des vorigen Jahrhunderts in Köln sogenannte Maifischessen in Brauhäusern und Fischgaststätten Tradition.  

Jetzt scheint das Poller Maigeloog in Zusammenarbeit mit der Fa. RUNGIS express AG, Meckenheim, es geschafft zu haben, frisch gefangenen Maifisch aus Frankreich auf dem Poller Maifest präsentieren zu können. Der Maifisch wandert in Süd-Frankreich und in der Bretagne im Frühjahr die Flüsse hinauf. In verschiedenen Orten werden dann Maifischfeste gefeiert. 

 Etwa 10 Maifische mittlerer Größe, d.h. jeweils 1- 2 Kg, sollen sofort nach dem Fang auf den Weg nach Poll gebracht werden. Gegen eine Spende an das LIFE-Maifisch-Projekt kann dann auf dem Maifest ein kleiner Happen gekostet werden. 

 

  

Das Maigeloog ist der Fa. RUNGIS express AG für die Gelegenheit und Unterstützung äußerst dankbar, an diese alte Tradition wieder anknüpfen zu können.

Es soll im nächsten Jahr versucht werden, Maifisch als Traditionsgericht zumindest wieder in einer Poller Gaststätte anzubieten.

*** siehe gesonderte Pressemitteilung vom 22.04.07: “Ausstellung Wanderfischprogramm Maifisch in Köln, Zeitzeugen gesucht”

Ansprechpartner in Fragen Maifische: Dr. Peter Beeck, Stiftung Wasserlauf, Geschaeftsstelle LIFE Maifisch, Aquazoo - Loebbecke Museum
Kaiserswerther Str. 380, D-40474 Düsseldorf, Tel. +49 (0)211 8996 160, Fax. +49 (0)211 8994 493
Email: Peter.Beeck@stadt.duesseldorf.de

Inzwischen ist auch ein guter Kontakt zur Stiftung Wasserlauf entstanden und das Maigeloog versucht, das Programm im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen. 

An dem Programm sind renommierte nationale und internationale Partner beteiligt:

Die Wiederansiedlung des Maifischs im Rheinsystem

http://www.lanuv.nrw.de/alosa-alosa/de/index.html
 

 

Das Projekt hat die Wiederansiedlung der ehemals häufigen Rheinfischart zum Ziel. Die große Heringsart wanderte früher zu Hunderttausenden zur Fortpflanzung viele hundert Kilometer in den Rhein auf und war der Brotfisch für die Rheinberufsfischer.

Der Maifisch wird bis zu 70 cm groß und drei bis vier kg schwer. Anfang des 20.Jahrhunderts brachen die Bestände im Rheinsystem zusammen. Die Gründe waren Gewässerverschmutzung, Überfischung und der Ausbau des Rheins zur Schifffahrtsstraße. Heutzutage wird der Maifisch im Rhein lediglich in Einzelexemplaren nachgewiesen und große Maifischbestände gibt es nur noch in Frankreich. In einem wissenschaftlich begleiteten Projekt wird nun schrittweise die Rückkehr dieser außergewöhnlichen Fischspezies unterstützt. Fünf Millionen Maifischlarven sollen in den nächsten Jahren im Rhein ausgesetzt werden. Die Fische werden in Frankreich gezüchtet und vor dem Besatz im Rhein markiert, um den Erfolg der Maßnahmen überprüfen zu können. Die Stiftung-Wasserlauf ist mit der fachlichen Koordination des Projektes beauftragt und hat dazu als erfahrenen Maifisch-Experten Herrn Dr. Peter Beeck angestellt. Herr Beeck hat seinen Bürositz im Aquazoo Düsseldorf.

Von 229 europäischen Projektanträgen wurde das Maifisch-Projekt als eines von lediglich 61 Projekten für eine Förderung ausgewählt und mit 50% von der EU ko-finanziert. Das Projekt unter Trägerschaft des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) läuft bis Ende 2010 und hat ein Budget von rund 1 Million Euro. Mit der Förderung der Europäischen Union hat das Life-Projekt im Januar 2007 begonnen. Neben dem Land NRW sind weitere Partner an der Projektfinanzierung beteiligt, z.B. HIT-Umweltstiftung, Rheinfischereigenossenschaft NRW, Umweltministerium Hessen, Sportvisserij Nederland (Sportfischervereinigung der Niederlande) und Forschungspartner in Frankreich.

Vorbemerkung/ Nachtrag Okt 2010

Mitte September 2010 wurden am Niederrhein im Rahmen eines Monitoring-Projektes einzelne der 2,5 Millionen eingesetzten Maifische gefangen. Die offizielle Präsentation erfolgte am 07.10.2010 auf einem Aalschokker in Grieth (bei Kalkar)

 

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